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Verständlich erklärt

Alles Wichtige zu Ursachen, Diagnostik, Therapie und Erwartungen

Sie haben oder kennen jemanden mit Fibromyalgie?

(Stand: August 2025 | Lesezeit: ca. 12 Minuten)

Lieber Kunde, Patient und/oder (Fach)Arzt,

Fibromyalgie betrifft rund 2–4 % der Bevölkerung — überwiegend Frauen. Chronische, weit verbreitete Schmerzen, Erschöpfung, Schlafstörungen und kognitive Einschränkungen („Fibro-Fog") prägen das Bild. Lange wurde die Erkrankung nicht ernst genommen. Heute ist klar: Fibromyalgie ist eine neurobiologische Erkrankung mit zentraler Sensibilisierung — und Bewegung ist die wirksamste Einzelmaßnahme.

Fakten und Antworten zu Fibromyalgie

Fundierte Informationen zu Ursachen, Behandlung und Therapiemöglichkeiten

Anatomie

Fibromyalgie ist keine Gelenk- oder Muskelerkrankung im strukturellen Sinne. Sie ist ein zentrales Schmerzsensibilisierungs-Syndrom: Das Zentralnervensystem verarbeitet normale Reize als Schmerz (Allodynie) und verstärkt Schmerzreize übermäßig (Hyperalgesie).

Betroffen sind absteigende schmerzmodulierende Bahnen (reduzierte Serotonin- und Noradrenalin-Aktivität), das Schmerzgedächtnis und die HPA-Achse (Stressverarbeitung).

Keine strukturellen Schäden in Muskeln oder Gelenken nachweisbar.

Wie entsteht die Problematik?

Multifaktoriell: genetische Suszeptibilität, chronischer Stress, traumatische Ereignisse (körperlich/psychisch), Schlafstörungen, andere chronische Schmerzerkrankungen als Auslöser.

Entzündliche Erkrankungen (RA, Lupus) erhöhen das Fibromyalgie-Risiko. Psychosoziale Faktoren (Katastrophisieren, Angstvermeidung) verstärken und perpetuieren das Schmerzmuster.

Diagnostik

ACR-Kriterien 2010/2016: Widespread Pain Index (WPI ≥ 7) + Symptom Severity Scale (SS ≥ 5), oder WPI 4–6 + SS ≥ 9.

Kein Laborbefund spezifisch. Diagnose nach Ausschluss anderer Erkrankungen (Schilddrüse, Rheuma, Vitamin D/B12, Schlafapnoe). Schmerztagebuch.

Mythen

Mythos 1: „Fibromyalgie ist eingebildet / psychosomatisch." fMRT-Studien belegen objektiv veränderte Schmerzverarbeitung im ZNS. Fibromyalgie ist eine anerkannte neurologische Erkrankung — kein psychisches Problem, aber psychosoziale Faktoren beeinflussen den Verlauf.

Mythos 2: „Bei Fibromyalgie sollte man sich schonen." Körperliche Inaktivität verschlechtert Fibromyalgie nachweislich (Dekonditionierung erhöht zentrale Sensibilisierung). Aerobes Training ist die am besten untersuchte Intervention mit stärkster Evidenz (aktuelle Cochrane-Analyse).

Mythos 3: „Starke Schmerzmittel sind die Lösung." Opioide sind bei Fibromyalgie kontraindiziert — sie verstärken langfristig die zentrale Sensibilisierung (Opioid-induzierte Hyperalgesie). Leitlinien empfehlen: Duloxetin, Pregabalin, niedrigdosierte trizyklische Antidepressiva + Bewegung + Psychotherapie.

Operation? Ja oder nein?

Keine operativen Indikationen bei Fibromyalgie. Multimodaler Therapieansatz: Bewegungstherapie (stärkste Evidenz), Psychotherapie (KVT), Medikation (Duloxetin, Pregabalin), Schlaftherapie, Stressmanagement.

Stationäre multimodale Schmerztherapie bei schwerem Verlauf.

Was können Sie als Patient oder Arzt bei/von uns erwarten?

Training: Aerobes Training (Aquajogging, Walken, Radfahren) beginnen mit 10 Min./Tag, langsam steigern auf 30 Min. 3×/Woche. Schmerzverstärkung beim Trainingsstart ist normal und kein Zeichen von Schaden — „Schmerz ≠ Schaden" verinnerlichen. Yoga und Tai Chi zeigen gute Evidenz für Fibromyalgie.

Ernährung & Lebensstil: Schlafhygiene priorisieren (Fibromyalgie und Schlafstörungen bedingen sich gegenseitig). Stressreduktion (Meditation, Biofeedback, Atemübungen). Koffein am Nachmittag einschränken. Anti-entzündliche Ernährung unterstützend.

Therapie: Manuelle Therapie vorsichtig einsetzen (Druckempfindlichkeit!), sanfte myofasziale Techniken, Wärme, TENS. Aqua-Physiotherapie (warm) besonders gut verträglich. Psychotherapie (KVT) zur Bearbeitung von Katastrophisieren und Angstvermeidung.

Edukation: Das Konzept der zentralen Sensibilisierung erklären und verstehen lassen (Pain Neuroscience Education, PNE) — reduziert Katastrophisieren und verbessert Prognose signifikant. Schmerz ist real, aber nicht gleichbedeutend mit Gewebsschaden.

Fazit

Fibromyalgie ist real, komplex — und veränderbar. Wer versteht, was im Nervensystem passiert, und bereit ist, behutsam aber konsequent aktiv zu werden, kann Schmerz und Lebensqualität nachhaltig verbessern. Wir begleiten diesen Prozess.

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