Alles Wichtige zu Ursachen, Diagnostik, Therapie und Erwartungen
(Stand: August 2025 | Lesezeit: ca. 11 Minuten)
Lieber Kunde, Patient und/oder (Fach)Arzt,
Etwa jede zweite Frau, die Kinder geboren hat, entwickelt im Laufe ihres Lebens Zeichen einer Beckenbodensenkung. Das lästige Druck- oder Fremdkörpergefühl in der Scheide ist das häufigste Symptom. Viele Frauen sprechen nicht darüber — dabei gibt es wirksame konservative Therapiemöglichkeiten, die einen chirurgischen Eingriff oft lange hinauszögern oder überflüssig machen.
Fundierte Informationen zu Ursachen, Behandlung und Therapiemöglichkeiten
Der Genitaldeszensus (Descensus genitalis) bezeichnet das Absinken der Beckenorgane: Gebärmutter (Uterusprolaps), vordere Vaginalwand mit Blase (Zystozele), hintere Vaginalwand mit Darm (Rektozele), Scheidenstumpf nach Hysterektomie (Vaginalstumpfprolaps). Ursachen: Schwäche der Bindegewebe (Faszie, Bänder) und Beckenbodenmuskulatur. Einteilung nach POP-Q-System (0 bis IV).
Risikofaktoren: Schwangerschaften und vaginale Geburten (besonders lange Pressphase, große Kinder), Östrogenmangel (Postmenopause führt zu Bindegewebs-Atrophie), chronisch erhöhter intraabdomineller Druck (Adipositas, Husten, Verstopfung, schweres Heben), genetische Bindegewebsschwäche. Hysterektomie: erhöhtes Risiko für Vaginalstumpfprolaps.
Gynäkologische Untersuchung: Spekulumuntersuchung in Ruhe und beim Pressen (Valsalva). POP-Q-Klassifikation. Miktions- und Defäkationsanamnese. Urodynamik bei gleichzeitiger Inkontinenz. Sonographie. MR-Defäkographie bei Defäkationsstörung (komplexe Rektozele).
Mythos 1: "Eine Senkung muss immer operiert werden." Konservative Therapie (Beckenbodentraining, Pessare) ist bei Beschwerden ohne vollständigen Prolaps (POP-Q I bis II) häufig ausreichend effektiv. Operation erst bei Versagen konservativer Maßnahmen oder höhergradiger Senkung mit erheblichen Funktionseinschränkungen.
Mythos 2: "Nach einer Senkungsoperation ist alles dauerhaft gelöst." Rezidivraten nach Senkungsoperationen liegen je nach Verfahren und Patientinnencharakteristika bei 10 bis 30 % innerhalb von 10 Jahren. Postoperative Beckenbodenrehabilitation und Lebensstilanpassung sind entscheidend für Langzeitergebnis.
Mythos 3: "Sport ist bei Senkung verboten." Gezieltes Training — mit angepasster Technik (Hypopressives Training, kein Pressen) — ist Bestandteil der Therapie. Hochimpact-Sport (Laufen, Springen) sollte anfangs reduziert und schrittweise wieder aufgebaut werden.
Indikationen: höhergradige Senkung (POP-Q III bis IV) mit relevanten Beschwerden, Versagen konservativer Therapie. Verfahren: vaginale Kolporrhaphie (vordere/hintere Plastik), sakrospinale Fixation, laparoskopische Sakrokolpopexie (bei Scheidenstumpfprolaps, hohe Erfolgsraten). Netz-Implantate: nur noch in spezialisierten Zentren nach eingeschränkter Zulassung.
Training: Beckenbodentraining (korrektes Lifting, nicht Pressen), Hypopressives Training (senkt intraabdominellen Druck, stärkt Beckenboden-Tonus), Kräftigung der Rumpf- und Hüftmuskulatur. Sportadaptation: zunächst Niedrig-Impact (Schwimmen, Radfahren, Walken), dann schrittweise Steigerung.
Ernährung & Lebensstil: Verstopfung behandeln (ballaststoffreiche Kost, ausreichend Trinken, keine Abführmittel-Abhängigkeit). Übergewicht reduzieren. Husten behandeln. Schweres Heben vermeiden oder Atemtechnik einsetzen (Ausatmen beim Heben).
Therapie: Beckenbodenphysiotherapie: Biofeedback, Elektrostimulation, manuelle Therapie, Narbenbehandlung. Pessartherapie: Ringpessar, Würfelpessar — ermöglicht aktives Leben, Alternative zur OP. Lokale Östrogentherapie (Postmenopause) verbessert Gewebequalität.
Edukation: Senkung ist behandelbar — keine Scham. Pessar selbst einsetzen und pflegen lernen. Regelmäßige gynäkologische Kontrolle. Sportadaptation schrittweise.
Eine Beckenbodensenkung ist häufig, aber kein Schicksal. Mit konservativer Therapie, dem richtigen Training und eventuell einem Pessar lässt sich Lebensqualität langfristig erhalten. Wir begleiten Sie in diesem Prozess — diskret, kompetent und mit Respekt.
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