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Verständlich erklärt

Alles Wichtige zu Ursachen, Diagnostik, Therapie und Erwartungen

Sie haben oder kennen jemanden mit Polyneuropathie?

(Stand: August 2025 | Lesezeit: ca. 13 Minuten)

Lieber Kunde, Patient und/oder (Fach)Arzt,

Rund 3 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Polyneuropathie — einem der häufigsten neurologischen Syndrome überhaupt. Kribbeln, Taubheitsgefühl, Brennen in Händen und Füßen, nächtliche Schmerzen: Die Bandbreite der Beschwerden ist groß, die Ursachen noch größer. Was moderne Therapie leisten kann — und warum Bewegung eine Schlüsselrolle spielt.

Fakten und Antworten zu Polyneuropathie

Fundierte Informationen zu Ursachen, Behandlung und Therapiemöglichkeiten

Anatomie

Das periphere Nervensystem verbindet Gehirn und Rückenmark mit Muskeln, Haut und Organen. Polyneuropathie bedeutet: mehrere periphere Nerven sind geschädigt.

Betroffen sein können motorische Fasern (Schwäche), sensible Fasern (Kribbeln, Taubheit, Schmerz) und autonome Fasern (Herzfrequenz, Blutdruck, Verdauung).

Das typische Muster: „strumpfförmig" an Füßen und Unterschenkeln beginnend (längenabhängige Polyneuropathie).

Wie entsteht die Problematik?

Häufigste Ursachen: Diabetes mellitus (diabetische PNP — ca. 30 %), chronischer Alkoholkonsum, Vitamin-B12-Mangel, Chemotherapie (platinhaltige Substanzen, Taxane), Autoimmunerkrankungen (Guillain-Barré, CIDP), Niereninsuffizienz, Infektionen (Borreliose, HIV).

In bis zu 30 % der Fälle bleibt die Ursache unklar (idiopathische PNP). Identifikation und Behandlung der Grundursache ist der wichtigste Schritt.

Diagnostik

Neurologie: Elektroneurographie (ENG) und Elektromyographie (EMG) — Nervenleitgeschwindigkeit und Muskelpotenziale.

Labordiagnostik: Blutzucker (HbA1c), B12, Folat, Schilddrüse, Nierenwerte, Immunelektrophorese.

Hautbiopsie: Dichte der intraepidermalen Nervenfasern (Small-Fiber-Neuropathie). Liquorpunktion bei V. a. CIDP oder Guillain-Barré.

Mythen

Mythos 1: „Polyneuropathie ist unheilbar — da kann man nichts machen." Wenn die Grunderkrankung behandelbar ist (Diabeteseinstellung, B12-Substitution, Alkoholkarenz), kann sich die Neuropathie bessern oder stabilisieren. Symptomatische Therapie und Bewegung verbessern Lebensqualität nachweislich.

Mythos 2: „Schmerzmittel helfen bei neuropathischen Schmerzen." Klassische Schmerzmittel (NSAR, Paracetamol) wirken bei neuropathischem Schmerz kaum. Leitlinien empfehlen: Duloxetin, Gabapentin/Pregabalin, trizyklische Antidepressiva als Erstlinientherapie (nach Arztentscheidung).

Mythos 3: „Mit Polyneuropathie sollte man körperliche Aktivität meiden." Regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining verbessert Nervenleitfähigkeit, reduziert Schmerzen und verlangsamt diabetische PNP-Progression — Studienevidenz liegt vor.

Operation? Ja oder nein?

Keine operativen Verfahren bei PNP als Standard. Bei Kompressionssyndromen (z. B. Karpaltunnel, Sulcus-ulnaris) kann operative Nervenentlastung sinnvoll sein.

CIDP: Immuntherapie (Immunglobuline, Kortison, Plasmapherese) nach rheumatologisch-neurologischer Abklärung.

Was können Sie als Patient oder Arzt bei/von uns erwarten?

Training: Sensibilitätstraining (Barfußlaufen auf verschiedenen Untergründen, Igelball, Gleichgewichtsbretter), Kraft- und Ausdauertraining zur Verbesserung der Durchblutung und Nervenperfusion. Sturzprävention ist prioritär — Gleichgewicht, Reaktion, Kraft.

Ernährung & Lebensstil: Alkohol vollständig vermeiden bei alkoholtoxischer PNP. Blutzucker optimal einstellen (HbA1c < 7 %). B12-reiche Ernährung oder Supplementierung. Nikotin reduziert Durchblutung und verschlechtert Nervenheilung.

Therapie: Manuelle Therapie zur Verbesserung der Gewebsdurchblutung, Lymphdrainage bei Ödemen, TENS (Transkutane elektrische Nervenstimulation) zur Schmerzreduktion. Orthesen bei Fußheberparese (Peroneus-Schiene).

Edukation: Fußpflege ist für Diabetiker mit PNP lebensnotwendig (kein Schmerzempfinden → Verletzungsrisiko). Selbstinspektion täglich, diabetikergerechtes Schuhwerk.

Fazit

Polyneuropathie ist komplex — aber nicht hoffnungslos. Wer die Grundursache angeht und aktiv bleibt, kann Beschwerden lindern und die Progression verlangsamen. Wir begleiten Sie mit einem individuellen Programm, das auf Ihre Situation abgestimmt ist.

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