Alles Wichtige zu Ursachen, Diagnostik, Therapie und Erwartungen
(Stand: August 2025 | Lesezeit: ca. 12 Minuten)
Lieber Kunde, Patient und/oder (Fach)Arzt,
Jeder vierte Mensch über 60 Jahre hat einen vollständigen Rotatorenmanschettenriss — die meisten davon ohne jede Beschwerde. Das zeigt: Der Befund allein entscheidet nicht über die Therapie. Viele Schulterschmerzen nach Sehnenriss sprechen hervorragend auf gezieltes Training an, ohne dass je operiert wird. Wann konservativ und wann chirurgisch sinnvoll ist — das klären wir hier auf Basis der aktuellen Studienlage.
Fundierte Informationen zu Ursachen, Behandlung und Therapiemöglichkeiten
Die Rotatorenmanschette besteht aus vier Muskeln und ihren Sehnen: Supraspinatus (Armhebung), Infraspinatus, Teres minor (Außenrotation) und Subscapularis (Innenrotation). Sie stabilisieren den Humeruskopf in der Gelenkpfanne und ermöglichen präzise Schulterbewegungen.
Der Supraspinatus ist am häufigsten betroffen — seine Sehne läuft durch einen engen Kanal unter dem Schultereckgelenk und ist mechanischer Belastung und Durchblutungsengpässen ausgesetzt.
Traumatische Risse entstehen durch Stürze auf den ausgestreckten Arm, plötzliche Überlastung oder Schulterausrenkung. Degenerative Risse entwickeln sich schleichend durch jahrelange Mikrotraumen, Durchblutungsminderung und altersbedingte Gewebsveränderungen — ohne erkennbares Ereignis.
Risikofaktoren: Überkopfarbeit, Leistungssport, Rauchen (senkt Sehnen-Durchblutung), Diabetes, Kortison-Langzeittherapie. Viele Risse werden zufällig bei MRT-Untersuchungen aus anderen Gründen entdeckt.
Klinische Tests: Jobe-Test (Supraspinatus), Außenrotationsschwäche (Infraspinatus), Lift-off-Test (Subscapularis). Ultraschall: kostengünstig, dynamisch einsetzbar, gut für Sehnen. MRT: Goldstandard für Ausdehnung, Lokalisation und Muskelqualität (Fettinfiltration als Prognosefaktor). Röntgen: Knochenbeteiligung, Akromiomorphologie.
Mythos 1: „Ein Riss muss operiert werden." — Studien zeigen, dass konservative Therapie bei degenerativen Rissen und bei Rissen ohne schwere Kraftminderung in 70–80 % der Fälle zu guten Ergebnissen führt. Die S3-Leitlinie empfiehlt konservative Therapie als Erstbehandlung für die meisten Risse.
Mythos 2: „Ein Riss wird ohne OP immer größer." — Longitudinalstudien zeigen, dass viele Risse über Jahre stabil bleiben, ohne zu progredieren — besonders bei niedriger Aktivität und guter Muskelkompensation.
Mythos 3: „Nach der Schulter-OP bin ich wieder vollständig hergestellt." — Re-Rissraten nach operativer Versorgung liegen je nach Studie bei 20–40 %. Das Operationsergebnis hängt wesentlich von Alter, Muskelqualität (Fettinfiltration) und Rehabilitationsqualität ab — nicht nur von der Technik.
Operationsindikation besteht bei: akut-traumatischem Totalriss mit schwerer Funktionseinschränkung, Versagen einer 3–6-monatigen konservativen Therapie, jungen Patienten mit vollständigem Riss und hohem Aktivitätsniveau.
Konservativ ist ausreichend bei: kleinen bis mittelgroßen Rissen ohne schwere Kraftminderung, degenerativen Rissen im höheren Alter, Patienten mit hohem OP-Risiko oder geringer Muskelqualität (Fettinfiltration Grad III–IV).
Training: Zentrierung des Humeruskopfes durch Kräftigung der tiefen Stabilisatoren, Außenrotationstraining (Infraspinatus/Teres minor), Skapulastabilisierung. Übungsprogramm zunächst schmerz-adaptiert, dann progressiv belastungssteigernd.
Ernährung & Lebensstil: Protein und Kollagen-Vorläufer (Vitamin C, Glycin) unterstützen Sehnenqualität. Nikotin-Verzicht verbessert Sehnendurchblutung nachweislich. Körpergewicht im Normalbereich reduziert Gelenkbelastung.
Therapie: Manuelle Therapie zur Mobilisation der Schulter und der HWS, Querfriktionen, Triggerpunkt-Behandlung, Ultraschall-Therapie. Taping zur Entlastung in der Akutphase.
Edukation: Verstehen, dass Schmerz und Strukturschaden oft nicht korrelieren. Viele Menschen mit großen Rissen sind nahezu schmerzfrei — was zählt, ist die Funktion, nicht der Befund.
Ein Riss in der Rotatorenmanschette klingt bedrohlich — muss es aber nicht sein. Mit der richtigen Therapie, klaren Zielen und guter Anleitung kehren die meisten Betroffenen zu einem aktiven Leben zurück. Ob das mit oder ohne OP gelingt, entscheiden wir gemeinsam mit Ihnen — evidenzbasiert und ohne voreilige Schnellschlüsse.
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